Geschichte

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Hering

Aus dem Archiv der ehemaligen Stadt Hering geht hervor, daß vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Hering im Jahre 1878, eine Pflichtfeuerwehr bestand, welche durch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr nicht abgelöst wurde. Offenbar bestand seitens der Verantwortlichen in der Gemeinde eine gewisse Skepsis gegen eine Freiwillige Feuerwehr dahingehend, daß man Anschaffungskosten scheute. Diese Annahme findet Unterstützung, als das Großherzogliche Kreisamt Dieburg im Jahre 1853 die Großherzogliche Gemeinde Hering anwies, eine neue Feuerwehrspritze anzuschaffen. Die Gemeinde wehrte sich mit allen Mitteln gegen eine neue Feuerspritze. Der gut gemeinte Rat des Kreisamtes, die Mittel aus den Erlösen des Waldes zu nehmen, oder ein Kapital bei der allgemeinen Rentenanstalt aufzunehmen, wurden von dem damaligen Gemeinderat einstimmig abgelehnt, obwohl die meisten von ihnen, wenn auch kleine, aber doch landwirtschaftliche Betriebe hatten. Für die Beschaffung von 6 Stück Feuereimern, war ein Kredit von 3 Gulden für 1855 und 3 Gulden für 1856 vorhanden. Man bat das Kreisamt den fehlenden Kredit der hiesigen Gemeindekasse zu gewähren. Laut Inventarium vom 14. Juni 1853, aufgestellt vom Großherzoglichen Bürgermeister Lutz, gab es folgende Löschmaterialien:

11 neue Feuereimer, 14 alte aber noch brauchbare Feuereimer, 23 alte unbrauchbare Feuereimer, 4 Feuerhaken und 2 Feuerleitern. Im Jahre 1868 wurde dann doch eine neue Feuerspritze von der Firma Metz, Heidelberg angeschafft. Diese Spritze ist heute noch vorhanden und wurde im vergangenen Winter und Frühjahr von Feuerwehrkamerad Robert Koch restauriert und ist ab dem 16. Mai 1998 unter einem Schutzdach auf der Löschwasserzisterne an der Groß-Umstädter-Straße ausgestellt. Am 18. April 1868 mußte sie auf Anordnung des Großherzoglichen Kreisamtes Dieburg zu einem Vergleich mit der Hartmannschen Spritze nach Lengfeld geschafft werden. Der Transport der Spritze wurde damals versteigert und Johannes Rübeck V. bekam für 1 Gulden und 15 Kronen den Zuschlag mit dem Vermerk: Die Spritze nach Lengfeld und retour nach Hering zu transportieren und die Kosten für die erforderliche Begleitmannschaft selbst zu bezahlen. Die Bestände der Löschmaterialien wurden dann noch durch eine neuere Feuerspritze erhöht. An Feuereimern waren es auch schon 30 Stück geworden.

Im Jahre 1878 wurde dann die Freiwillige Feuerwehr Hering gegründet. In der noch vorliegenden Satzung eingetragen als: ,,Freiwillige Feuerwehr der Stadt Hering. Im § 1 heißt es: ,,Der Zweck der Freiwilligen Feuerwehr ist geordnete Hilfe bei Feuergefahr. Im § 4: ,,Die ordentlichen Mitglieder unterziehen sich einer militärischen Organisation. Im § 5: ,,Die ordentlichen Mitglieder teilen sich in: a) Steiger, b) Spritzmänner, c) Werkleute, d) Wasserbesorger, e) Retter. Im § 6 heißt es weiter: ,, Zur Aufnahme in den Verein sind notwendig: 1) unbescholtener Ruf, 2) zurückgelegtes 18. Lebensjahr, 3) körperliche Befähigung, 4) für ordentliche Mitglieder ständiger Wohnsitz in Hering. Der Vorstand legte am 3. Dezember 1878 dem Stadtvorstand die Satzung zur Genehmigung vor. Am 23. Dezember 1878 wurde sie mit dem Vermerk: ,,Vorstehende Satzungen werden hiermit für die Stadt Hering durch den unterzeichneten Stadtvorstand anerkannt. Hering, den 23. Dezember 1878 Der Großherz. Bürgermeister: Lutz - Der Gemeinderath: Judith, Weiß 3., Uhrig 3., Koch 3., Kam 2., Blitz 3., Weiß 5., Beigeordneter. Fünf Monate später wurde der Verein auch auf höherer Ebene bestätigt: ,,Vorstehende Satzungen werden mit Ermächtigung Großherz. Ministerium des Innern und der Justiz (Verf. v. 7. v. Mts.) genehmigt. Dieburg, den 10. Mai 1879. Als Gründungsmitglieder sind aufgezeichnet: 1. L. Grünewald, Lehrer in Hering. Hauptmann und Vorstand, 2. Joh. Weiß 7., 3. Gg. Weiß 2., 4. Seb. Götz 2., 5. Joh. Weiß jun., 6. P. Kam, 7. Joh. Weiß 5., 8. Johannes Lutz, 9. Adam Uhrig 3., 10. Gg. Wick,, 11. Nik. Zimmer, 12. P. Saal, 13. Nik. Götz, 14. Gg. Bader, 15. Seb. Stritzinger jun., 16. Joh. Weiß jun., 17. Wilh. Weiß jun.. 18. Gg. Kam jun., 19. Ad. Walter, 20. Gg. Blitz jun., 21 Johannes Blitz jun., 22. Joh. Regnitz, 23. Seb. Mühling, 24. Joh. Fritsch. Im Jahre 1900 tritt die Freiwillige Feuerwehr Hering dem Kreisverband der Freiwilligen Feuerwehren bei. Als jährlicher Mitgliedsbeitrag waren pro Person 10 Pfennig festgesetzt. Als Mitglieder waren angegeben: 1. Karl Fritseh, 2. Joh. Schimpf, 3.Valentin Kreim, 4. Gg. Dietrich, 5. Karl Muche 3., 6. Franz Hunleth, 7. Wilhelm Lotz. Im Jahre 1908 wurde der Maurer Georg Uhrich zum 1. Kommandanten ernannt und in Pflichten genommen. Die Gemeinde Hering bekam in den Jahren 1911 - 1912 eine eigene Wasserversorgung mit Hochbehälter. Eine Brandreserve von 40 cbm. für den Ernstfall wurde vorgesehen. Das Wasser floß nunmehr in Rohren und mußte nicht mehr mit Feuereimern von den Brunnen geholt werden. Ein großer Fortschritt für die Feuerwehr und die ganze Bevölkerung von Hering. Der 1. Weltkrieg machte aller friedlichen Vereinsarbeit ein Ende. Die meisten unserer jungen Männer kamen nicht mehr zurück. 

1921 vernichtete ein Großbrand das Anwesen des Josef Rauck im Burgweg. Trotzdem bewies hier die Heringer Feuerwehr ihr Können in dem sie die dicht dabei stehenden Fachwerkhäuser vor einem Übergreifen der Feuersbrunst bewahrte, eine große Leistung der damaligen Feuerwehrkameraden. Bis zum 2. Weltkrieg war es um unsere Wehr ruhig geworden. Man konnte sich mit den monatlichen Übungen begnügen und war immer einsatzbereit. Bis auf wenige Kleineinsätze waren jedoch keine Vorkommnisse zu melden. Im Jahre 1947 formierte sich auch nach dem 2. Weltkrieg wieder eine relativ starke Heringer Feuerwehr . Der neue Kommandant Friedrich Arnold baute eine Wehr auf, auf die man sich verlassen konnte. Im Jahre 1963 bekam die Freiwillige Feuerwehr Hering ihre eigene Fahne, einer der größten Wünsche unserer damaligen Kameraden, sie wurde im Rahmen eines Feuerwehrfestes geweiht. Der Erlös aus diesem Fest, über 4000 Mark, gab der Wehr die Möglichkeit zur Verbesserung der Kleidung und der Ausrüstung. 1968 bekam die Freiwillige Feuerwehr Hering ihr erstes Fahrzeug, ein TSF auf Basis eines Ford-Transits. Ein großer Fortschritt, der in guter Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hering und dem damaligen Kreisbrandinspektor Köbler verwirklicht werden konnte. Im Jahre 1972 wurde die Einsatzabteilung der Freiwillige Feuerwehr Hering unter der Führung des damaligen Ortsbrandmeisters Horst Lieb in den Verband der Feuerwehren der neuen Gemeinde Otzberg eingebracht. Die technische Leitung der zusammengeschlossenen Wehren übernahm Heinz Kluge aus Habitzheim. Aus Anlaß des diesjährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Hering wurde 1978 ein Feuerwehrfest veranstaltet, aus dessen Erlös ein VW-Bus (MTF) gekauft werden konnte, damit war es endlich gelungen die angespannte Transportsituation der Heringer Wehr (ein Teil der Kameraden führ mit Privat PKWs zu Einsätzen und Übungen) und auch der neuen Jugendfeuerwehr wesentlich zu verbessern. 1979 bekommt die Heringer Wehr durch großen persönlichen Einsatz von Wehrführer Horst Lieb Atemschutz, und kann somit die Möglichkeit zur Rettung von Menschen in verqualmten Räumen verbessern. Im Jahre 1980 kauft die Gemeinde Otzberg auf Drängen der Feuerwehr Hering ein gebrauchtes LF von der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel. Dies ist für Hering das erste Fahrzeug, das einen eingebauten Wassertank besitzt. Es kann also sofort mit der Brandbekämpfung begonnen werden und besonders bei Wald- und Flächenbränden hat das Fahrzeug große Vorteile. Um das größte Fahrzeug unterzubringen mußte an das alte Feuerwehrhaus eine entsprechende Fahrzeugbox angebaut werden.

Im Zuge dieser Maßnahme wurde dann das alte Feuerwehrhaus vollständig umgebaut, die seitherige Wohnung wird in einen Gruppenraum mit Küche umgewandelt. Nachdem die räumliche und technische Ausstattung der Feuerwehr Hering einen nie geahnten Umfang erreicht hatte, und auch das Personal an Anzahl wie Ausbildung einen sehr guten Stand erreicht hatte, übergab 1983 Horst Lieb die Ämter des Vorsitzenden und Wehrführers aus beruflichen Gründen an seinen Bruder Otto Lieb. Bis 1986 war das erste Heringer Feuerwehrauto, unser TSF, im Dienst, dann wurde es durch ein, aus Vereinsmitteln gekauftes TLF 8 (Unimog) ersetzt. Dies ist ein Fahrzeug, welches ebenfalls einen Wassertank mitführt, und schon mit einer Besatzung von nur 3 Mann feuerwehrtaktisch eingesetzt werden kann. Seit 1990 wird die Freiwillige Feuerwehr Hering mittels ,,stiller Alarmierung über Funkmeldeempfänger zum Einsatz gerufen, was für die Bevölkerung den Vorteil hat, daß sie nicht mehr durch Sirenengeheul aus dem Schlaf gerissen wird. 1992 hatte das alte LF 16 der Landesfeuerwehrschule ausgedient, es wurde wiederum durch ein gebrauchtes LF 16 jetzt aber neueren Typs ersetzt. Nachdem die Einsatzabteilung durch die ständige Übernahme neuer Kameraden aus der Jugendfeuerwehr wesentlich verjüngt wurde, wurde der von Otto Lieb und Ralf Buchinger angestrebte Generationswechsel dadurch sichtbar, daß 1993 mit Andreas Friedrich als Wehrführer und Henry Koch als Stellvertreter, die Leitung der Aktiven nun erstmals in den Händen ehemaliger Jugendfeuerwehrleute lag. Mit den neuen Führungskräften kam dann auch die Computerzeit zur Heringer Wehr, 1996 wurde ein PC-Computersystem aus Vereinsmitteln angeschafft, das die gesteigerten Anforderungen an die Verwaltung und das Informationswesen einer modernen Feuerwehr erfüllt und über ein Modem auch die Kommunikation mit übergeordneten Stellen erleichtert In den kommenden Jahren gilt das Interesse der Freiwilligen Feuerwehr Hering in feuerwehrtechnischer Hinsicht außer den seitherigen Aufgaben, besonders der technischen Hilfeleistung insbesondere im Straßenverkehr und im Bereich des Umweltschutzes. Der Verein wird sich im neuen Jahrtausend mit der Umgestaltung des Feuerwehrhauses beschäftigen und weiterhin versuchen das kulturelle Leben in Hering positiv zu gestalten.